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Edlef Köppen
wurde am 1. März 1893 als Sohn von Emma Henriette Hosmann (1868–1937), Tochter eines Großkaufmanns in Kiel, im ehemals sächsischen Genthin geboren. Sein Vater, Martin Paul Robert Köppen (1863–1922), war dort als praktischer Arzt tätig, so daß Edlef seine ersten Lebens- und Schuljahre in Genthin verbrachte. Mit 14 Jahren (1907) zogen seine Eltern nach Potsdam, und Edlef ging nun in das dortige humanistische Viktoria-Gymnasium (die heutige Helmholtz-Schule). Dort lernte er den um drei Jahre jüngeren, später als Schriftsteller bekanntgewordene Hermann Kasack (1896-1966) kennen. Während seiner Schulzeit gründete Köppen den Schülerverein „Literarischer Abend“ mit und legt 1913 das Abitur ab. Köppen studiert zunächst in München, eilt zum Tag der Mobilmachung nach Potsdam, um seine Klassenkameraden zu treffen und dann in den Krieg zu ziehen.
Köppen blieb von 1914 bis 1918 an der Front, erst in Frankreich, dann in Russland und wieder in Frankreich. Die Erfahrungen während dieser Zeit haben Köppen wohl am stärksten beeinflußt, wie auch sein Hauptwerk, der 1930 veröffentlichte Roman ›Heeresbericht‹ belegt, in dem Dokumente zwischen eine fiktive Handlung eingebaut sind.
Neben dem ›Heeresbericht‹, in dem die Entwicklung vom kriegsfreiwilligen Soldaten zum kriegsverneinenden Offizier im Vordergrund steht und der im Rückblick geschrieben ist, hält Köppen die Schrecken des Krieges während des Ersten Weltkrieges in 19 Gedichten fest, die in der expressionistischen Zeitschrift ›Die Aktion‹ publiziert wurden.
Nach Kriegsende ging er wieder nach München, um sein Studium fortzusetzen. 1920 wurde er Hersteller im Verlag Gustav Kiepenheuer in Potsdam, wo er zunächst für die Herausgabe der Zeitschrift ›Die Dichtung‹ verantwortlich war. Hier begegnete er seinem Schulfreund und Schriftstellerkollegen Hermann Kasack wieder, der im selben Jahr wie Köppen als Lektor bei Kiepenheuer anfing. Nach zwei Jahren, nämlich 1922, verließ Köppen den renommierten Verlag, wohl aus gesundheitlichen Gründen, offensichtlich Spätfolgen des Krieges, verbrachte er doch die Sommermonate im Jahr seiner Kündigung in einem Sanatorium zunächst im Taunus und dann in Oberbayern. Nach einem kurzen Intervall als Leiter der Herstellungsabteilung beim Verlag ›Trowitzsch & Sohn‹ in Berlin (von 1922 bis Mai 1923), widmete er sich ganz seiner Liebe zu Büchern und machte sich selbständig mit Gründung des ›Hadern Verlags‹. Auch wenn Köppen das Unternehmen »Verlag« recht schnell wieder aufgab, blieb er der Bibliophilie treu.
1925 arbeitete Köppen beim Rundfunk, und zwar bei der im Jahr 1923 gegründeten Funk-Stunde Berlin. Zuerst als freier Mitarbeiter, wurde er ab 1925 fest angestellt und 1929 Leiter der literarischen Abteilung. Außer der Organisation von Abteilung und Sendungen, zeichnete Köppen auch bei einigen Rundfunkübertragungen für Manuskript und Regie verantwortlich.
Köppens pazifistische Grundhaltung ließ ihn auch auf der Tagung der „Deutschen Liga für Menschenrechte“ am 2. Februar 1931 einen Vortrag mit dem Thema »Remarque und die Wirklichkeit« halten. Zu den Referenten des Abends zählten auch Heinrich Mann und Carl Zuckmayer, zu den Teilnehmrn Albert Einstein, Erich Maria Remarque, Käthe Kollwitz, Kurt Tucholsky, Ludwig Renn und Arnold Zweig.
1932 wurde durch Reichskanzler Franz von Papen der bis dahin neutrale Rundfunk nationalsozialistischer Propaganda geöffnet und personelle Veränderungen vorgenommen. In der Folge geriet auch Edlef Köppen in Mißkredit und zwei Monate nach Hitlers Machtergreifung beim Rundfunk entlassen. In den folgenden Jahren veröffentlichte Köppen auch unter dem Pseudonym Joachim Felde.
1933 zog Köppen von Potsdam nach Wilhelmshorst, wo er sich sein Wochenendhaus als ständige Wohnstätte ausgebaut hatte. Parallel dazu schrieb er an dem Buch ›Vier Mauern und ein Dach‹.
Im Jahr 1934 erhielt Köppen durch die Vermittlung eines früheren Bekannten eine Stelle bei einer kleinen Filmfirma, nach deren baldiger Auflösung kam er bei der Filmgesellschaft Tobis unter, wo er sich bis zum Chefdramaturgen hocharbeitete. Sit 1933 sammelte er dokumentarisches Material, um ein Buch gegen die Nationalsozialisten zu schreiben. Leider wurde dieses Werk nicht mehr realisiert.
Den zweiten Weltkrieg erlebte Köppen nicht mehr, er verstarb am 21. Februar 1939 im Alter von knapp sechsundvierzig Jahren an den Folgen einer Lungen- und Kehlkopftuberkulose in Gießen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Wilhelmshorst, dem Ort, den er sich als seine Heimat gewählt hatte.

Jutta Vinzent (gekürzt aus: Edlef Köppen: Aufzeichnungen)